Kein Klischee: Tomatensuppe mit Reis und Kichererbsen

Es gibt ein Klischee, nach dem Kinder Tomatensauce (oder Ketchup) sehr gerne essen. Wenn man sich zum Beispiel das ultimative Gericht für ein Kind vorstellt, ist die erste Wahl fast immer Nudeln mit Tomatensauce, oder? Mag sein. In meinem Fall war es sehr weit von der Realität entfernt. Als Kind mochte ich zwar Tomaten, aber nur frische, zum Beispiel im Salat, in Scheiben geschnitten auf Brot oder einfach nur so mit etwas Salz. Aber alles, was auf Tomatenmark basiert – von Suppen über Lasagne bis hin zu Nudelsaucen – weckte meinen Appetit nicht besonders. Auch Pizza – ein anderes Kinderessen-Klischee – schmeckte mir nicht sehr, wenn zu viel Soße drauf war. Bis heute bevorzuge ich meine Pizza mit einer möglichst dünnen Schicht Tomatensauce, die beim Backen fast trocknet.

Versteht mich nicht falsch – als Kind aß ich immer fast alles, was auf dem Tisch vor mir lag, und wenn es nichts anderes gab, aß ich sogar Nudeln mit Tomatensauce oder “nasse” Pizza. Aber ein bestimmtes Gericht auf Basis von Tomatenmark wollte ich auf keinen Fall zu mir nehmen: Tomatensuppe mit Reis, ein im Winter häufiges Gericht im Speisesaal des Kibbuz. Die Suppe wurde mit – nach meinem Geschmack – zu viel Reis gekocht und war immer sehr süß, wie es in der jüdisch-polnischen kulinarischen Kultur üblich ist. Sie war so dick und süß, dass man fälschlicherweise hätte denken können, es sei roter Reisbrei. Und das – verzeiht mir meine Ausdrucksweise – war abstoßend.

Aber das ist alles schon lange her. In meinen Zwanzigern kochte meine erste Partnerin oft Tomatensuppe mit Reis nach dem Rezept ihres Vaters, die natürlich raffinierter und nicht so schrecklich süß war, und seitdem bin ich schon ein Fan von Tomatensuppe sowie Tomatensaucen. 

Das Prinzip ist lächerlich einfach: Röstzwiebeln, Tomatenmark, Gewürze, Reis, Wasser. Kochen, bis der Reis weich ist und sogar ein wenig auseinanderfällt. Fertig. Man braucht kaum ein Rezept.

Um die Suppe reichhaltiger und nahrhafter zu machen, fügte ich auch Kichererbsen hinzu. Um den Geschmack zu verstärken, kochte ich auch Karotten, Sellerie und Petersilienwurzel darin.

Tomatensuppe mit Reis und Kichererbsen

  • Portionen: 3 Liter Suppe, 6-8 Portionen
  • Zubereitungszeit: 20 Minuten
  • Kochzeit: 45 Minuten

Zutaten

  • 1 große Zwiebel, fein gehackt
  • 1 große Karotte, in kleine Würfel geschnitten
  • 2 Stück Stangensellerie, klein geschnitten
  • 1 Petersilienwurzel (oder 1 Stück Selleriekopf in ähnlicher Größe), in kleine Würfel geschnitten
  • 2-3 zerdrückte Knoblauchzehen
  • 1 EL Gemüsebrühepulver
  • 1-2 Dosen Tomatenmark (je 400 Gramm) – die Menge richtet sich nach der gewünschten Dicke - oder 1 Liter Tomatensaft (ohne Zucker)
  • 1 kleines Glas (80-100 ml) Reis (weiß oder Vollkorn) beliebiger Art
  • 100-150 ml Kichererbsen mindestens einen Tag in Wasser eingeweicht oder 1 Dose / 1 Glas Kichererbsen
  • Gewürze: Salz und schwarzer Pfeffer nach Geschmack, 1 TL geräucherter süßer Paprika, etwas Thymian

Zubereitung

  1. Die Zwiebel in etwas Öl goldbraun braten.

  2. Karotten, Sellerie und Petersilienwurzel dazugeben und unter Rühren noch ein paar Minuten braten.

  3. Den Knoblauch, das Suppenpulver und das Tomatenmark / den Saft hinzufügen. Wasser hinzufügen, bis der Topf voll ist (Platz für Reis und Kichererbsen lassen!) und zum Kochen bringen. 7-8 weitere Minuten auf kleiner Hitze kochen lassen.

  4. An diesem Punkt könnt ihr die Suppe, falls gewünscht, mit einem Stabmixer zu einer einheitlichen Masse pürieren. Sie vertieft so ihre Aromen. Wenn ihr eine eher "rustikale" Suppe bevorzugt oder keinen Mixer habt, könnt ihr diesen Schritt überspringen.

  5. Reis und Kichererbsen dazugeben und bei niedriger Hitze ca. 45 Minuten garen, bis der Reis weich ist, am besten sogar leicht bröckelt. Wenn ihr Kichererbsen aus der Dose verwendet, fügt ihr diese erst gegen Ende des Garvorgangs hinzu.

Anmerkungen

  • Wenn ihr noch dickere Suppe mögt, könnt ihr noch mehr Reis hinzufügen. Aber passt auf: Zu viel Reis macht die Suppe zu einer Art Risotto! An sich nicht schlimm, aber nicht das, was wir hier erreichen wollen.
  • Zur Abwechslung kann man den Reis durch bspw. Perlgraupen, Bulgur, Couscous, Buchweizen etc. ersetzen. Die Kochzeit muss natürlich entsprechend berücksichtigt werden.
  • Die Kichererbsen kann man durch andere Hülsenfrüchte ersetzen, z.B. Bohnen. Trockene Bohnen benötigen allerdings eine viel längere Kochzeit, d.h. sie müssen erstmal im Voraus gekocht und gegart werden und dann zur fertigen Suppe hinzugefügt werden. Alternativ kann man Bohnen aus der Dose verwenden.
  • Wie viele andere Suppen ist diese Suppe am nächsten Tag noch schmackhafter. Sie wird am nächsten Tag auch dicker, dann kann man etwas Wasser hinzufügen, bevor man sie aufwärmt.
  • Zur Abwechslung oder wenn am nächsten Tag noch Suppe übrig ist, füge ich der Suppe normalerweise eine Schachtel Kokoscreme hinzu. Es geht geschmacklich in eine ganz andere Richtung, aber nicht weniger gut.

Ursprünglich aus Israel, wohne in Berlin seit 2013. Koche seitdem ich ungefähr 9 war, und Veganer seit 2011. Außer Kochen und darüber Schreiben bin ich Fan von Kunst, Musik, Filmen, Literatur, Fotografieren, Geschichte (habe sie auch studiert) und Katzen. Besonders Katzen.

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